
Das Geheimnis im tiefen NAWITA See-ID:01 – Burgunderblutalge (Planktothrix rubescens)
Wenn der See plötzlich purpur blutet, NAWITA See-ID:01 11.10.2026

Wenn der See plötzlich purpur blutet
Das wichtigste in 30 Sekunden…
Wir jagen das Rätsel der purpurnen Pollen im NAWITA See-ID: 01. Bei unserem Monitoringtauchgang haben wir Proben entnommen und Makroaufnahmen geschossen. Der Abstieg führte uns durch eine stinkende Tiefenzone. Jetzt müssen die Proben unter das Mikroskop. Erst dann wissen wir was dieses purpurne Zeug wirklich ist.
Der faulige Atem des Sees in der Dunkelheit
Heute ging es wieder los. Neues Spiel neues Glück. Wir wollen endlich wissen was hinter diesem Phänomen im NAWITA See-ID: 01 steckt. Purpurne Pollen. Ein echter Frage für uns unter Wasser. ![]()
Schon am Ufer sahen wir es. Purpurne Flecken trieben direkt auf der Wasseroberfläche. ß
Unsere Aufgabe war klar. Proben sammeln in der KAUTEX FLASCHE. Und messerscharfe Makrobilder schießen. Nebenbei habe ich noch fix den Licht und Temperaturlogger frisch konfiguriert. Wir brauchen einfach mehr Daten.
Aber zuerst die oberste Priorität. Prioritäten muss man schließlich haben. Wir haben direkt beim Abstieg auf sechs Metern Tiefe einen Bierkasten versenkt. Schön markiert mit einem hellen Blitzer. Das kühle Feierabendbier muss schließlich gesichert sein. Nach dem Tauchgang gibt es nichts Besseres. ![]()
Der restliche Plan stand fest. Wir wollten exakt das Profil vom letzten Monitoringtauchgang kopieren. Kurs 60 Grad quer in den See hinein. Runter auf über 20 Meter. Dort unten ein Stück Strecke machen. Und danach der langsame entspannte Aufstieg für den Rückweg.
Doch der See hatte seine eigenen Pläne. In der Todesschicht empfing uns ein Gestank. Es roch nach faulen Eiern. Schwefelwasserstoff. Das haben wir dieses Mal so richtig intensiv mitbekommen. Bah. ![]()
Trotzdem haben wir die Augen offengehalten. Bis auf 9.5 Meter Tiefe konnten wir den Gemeinen Süßwasserpolypen (Hydra vulgaris) dokumentieren. Die winzigen Räuber saßen dicht an dicht auf der Zerbrechlichen Armleuchteralge (Chara globularis). Ein faszinierender Anblick. Aber vom Kamberkrebs (Faxonius limosus) fehlte heute jede Spur. Nicht mal eine alte Krebsscheren-Hülle oder sonstige Reste im Schlamm. Nichts.
Am Ende hieß es Daumen hoch. Die Probenentnahme war ein voller Erfolg. Die KAUTEX FLASCHE ist randvoll mit der mysteriösen Brühe. Jetzt wandert das Zeug schnurstracks unter das Mikroskop. Und dann sind wir hoffentlich bald schlauer. ![]()
Aufgefallen ist uns aber noch etwas. Dieses Mal schwebten deutlich weniger von den seltsamen Fäden im Wasser. Dafür entdeckten wir jede Menge unförmige Kugelgebilde. Große und kleine. Das Rätsel geht also weiter. Wir bleiben dran.
Links aus dem Web:
• https://seewandel.org/…/AQUAGAS_04-2021_KnappPosch…
• https://doris.ffessm.fr/…/Planktothrix-rubescens…





Das Geheimnis im tiefen NAWITA See-ID:01 / 10.10.2026
Das wichtigste in 30 Minuten
Neunter Tauchgang in Folge und Rammstein knackt die Nummer Hundertdreiundsechzig für dieses Jahr mit dem klaren Ziel von zweihundert. Gestern ging es im NAWITA See-ID: 01 hinab unter zwanzig Meter für das Citizen Science Projekt. Ab achtzehn Meter wartete die tödliche sauerstofffreie Schicht während purpurne Fussel den Grund säumten. Früher dachten wir an Pappelpollen doch jetzt zeigt sich die Burgunderblutalge (Planktothrix rubescens) als der Täter. Bald holen wir uns die Wasserproben.
Die purpurne Wolke am Grund
Unsere Serie reißt nicht ab. Neunter Tauchgang hintereinander und wir haben uns nicht verloren. Wir können auch artig. Rammsteins Hundertdreiundsechzigster Tauchgang dieses Jahr. Die Aufgabe steht. Wir müssen das hinbekommen dass er dieses Jahr zweihundert Tauchgänge absolviert.
Gestern absolvierten wir wieder im NAWITA See-ID: 01 einen Monitoring Tauchgang. Wie immer war es wichtig unter zwanzig Meter zu tauchen um die Temperatur und Lichtdaten aufzunehmen die wir im Citizen Science Projekt NAWITA schon seit 2023 aufnehmen.
Link: https://nawita.de/tag/projekt-deeptemp
Beim Abtauchen ab zehn Meter wurde es schon düster. Wir beide blieben eng aneinander um uns nicht zu verlieren. Die Sicht wurde nicht besser je tiefer es ging. An unseren Lampen konnten wir uns orientieren dass der Buddy noch neben einem ist.
Ab achtzehn Meter kam dann diese spezielle „Todesschicht“.
Link: https://nawita.de/…/deeptemp/toedliche-sprungschicht
Wir glitten unaufhaltsam tiefer in die Todes Senke. Dorthin wo kein Sauerstoff mehr vorhanden ist. Eine perfekte perfide Falle wo die Senke das Licht und einem den Atem raubte. Dinge hinabsinken und nie wieder heraufkommen.
Der Logger nahm alle Daten automatisch auf. Wir tauchten eine geraume Zeit weiter auf Tiefe und betrachteten die purpurnen Pollen auf dem Grund. Dann ging es langsam in die obere Schicht. So im zehn Meter Bereich war die Sicht schon mystisch. Einmal durch die Wasserschichtungen mit der Nebelschichtung und durch diese Pappelpollen die wieder wie jedes Jahr das Wasser trüben und uns die Sicht einschränken.
Meine Vermutung war die Jahre es sind Pappelpollen oder die purpurnen Pappelhaare. Da diese oft dichte watteähnliche weiße Teppiche auf Gewässern bilden und absinken können und sich dann irgendwie verfärben. Unter Wasser nehmen diese Pappelhaare keine purpurrote bis lila Färbung an. Sie zerfallen dort auch nicht in feine fusselartige rote Partikel. Das habe ich jetzt rausbekommen. Also denken wir mal um und recherchieren jetzt.
Die Hauptverdächtige ist die Burgunderblutalge (Planktothrix rubescens). Sie gehört zu den Cyanobakterien beziehungsweise Blaualgen und besitzt einen speziellen rötlichen Farbstoff namens Phycoerythrin. Dieser ermöglicht es ihr selbst in tieferen lichtarmen Wasserschichten Photosynthese zu betreiben. Unter Wasser formiert sie sich oft zu hauchfeinen purpurroten oder lila Fäden und Flocken. Im Tauchlampenlicht oder Sonnenlicht sehen sie aus wie winzige rote Stofffusseln oder lila Wolken.
Das Verhalten im See passt perfekt. Diese Alge liebt schichtungsstabile eher nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Baggerseen. Sie schwebt meist in einer Tiefe von zehn bis fünfzehn Metern. Bei Temperaturwechseln oder starkem Wind oft im Herbst oder Frühjahr können diese Partikel aufsteigen oder absinken. Dann bilden sie diese typischen schwebenden Fusselbänder im Freiwasser.
Von der Beschreibung von dem was wir wahrnehmen unter Wasser passt das alles. Wir bleiben dran und gehen heute noch mal an den Spot und nehmen Wasserproben.
